Was können Sie in der Familie für die Sprachentwicklung Ihres Kindes tun?

 

Das alltägliche Leben in der Familie ist wichtig für die Entwicklung der Sprache. Denn in der Familie lernen Kinder ihre erste Sprache. Welche konkreten Möglichkeiten gibt es in der Familie, Kinder in ihrer Sprachentwicklung zu fördern?

Freude am Sprechen und Erzählen

Sprache kann man nicht trainieren, sie entwickelt sich bei jüngeren Kindern jeden Tag, indem sie zuhören und selbst sprechen – z.B. beim Spielen, beim Bilderbuch anschauen, beim gemeinsamen Essen, bei einer Unterhaltung mit Menschen, die sie lieb haben. Die täglichen Gespräche sind für Kinder sehr wichtig: Erzählen Sie dem Kind von Ihrer Arbeit, von den Großeltern, von einem kleinen Erlebnis, das Sie heute hatten; und wenn Ihnen das Kind z.B. beim Kochen zuschaut, dann erzählen Sie dem Kind, was Sie heute alles in den Topf geben. Und freuen Sie sich, wenn Ihr Kind viele Fragen stellt und viel erzählt – was es heute geärgert oder gefreut hat, was die Freunde im Kindergarten gesagt haben, usw. Beim Erzählen lernt das Kind sich auszudrücken und seine Ideen und Wünsche mit Worten zu erklären.

Kinder lernen am besten, wenn sie sich wohl fühlen und wenn sie keine Angst haben Fehler zu machen. Manchmal erfinden Kinder auch Fantasiewörter, sie spielen mit der Sprache, das macht ihnen Spaß und ist gut für die Sprachentwicklung. Es ist nicht gut für die Entwicklung, wenn Sie Ihr Kind korrigieren, wenn es etwas „falsch“ sagt. Kinder, die oft korrigiert werden, verlieren manchmal die Freude am Sprechen und Erzählen.

Es gibt Beschäftigungen, bei denen Kinder sehr viel lernen und ihre sprachlichen Fähigkeiten ganz besonders gut entwickeln. Dazu gehören vor allem Vorlesen, Geschichten erzählen, Bilderbücher anschauen, Reime sprechen und singen.

Zusammen Bilderbücher anschauen

Wenn Eltern mit ihrem Kind oft – am besten jeden Tag – ein Bilderbuch anschauen, dann ist das für die Entwicklung der Sprache sehr gut. Wenn Sie mit Ihrem Kind in Ihrer Muttersprache ein Bilderbuch anschauen, dann lernt das Kind dabei viele Dinge, die ihm in allen Sprachen weiter helfen werden und die später in der Schule wichtig sind – das haben viele Studien bewiesen. Vielleicht haben auch einmal die älteren Geschwister, die Tante oder der Großvater Zeit zum Vorlesen.

Beim Bilderbuch anschauen und vorlesen ist es wichtig,

♦ dass es dem Kind und dem Erwachsenen Freude macht (wenn Erwachsene zu viel abfragen, kann das dem Kind den Spaß verderben)

♦ dass Ihr Kind über die Bilder und über die Geschichte viel sprechen kann – alles was ihm so einfällt

Wenn Sie zu Hause in Ihrer Sprache keine Bilderbücher haben und auch keine ausleihen können, dann gibt es trotzdem eine Möglichkeit, mit ihrem Kind in Ihrer Sprache Bilderbücher anzuschauen: Es gibt viele deutsche Bilderbücher, die gar keinen oder wenig Text haben. Diese Bücher können Sie in der Bücherei oder im Kindergarten ausleihen, fragen Sie die Erzieherin. Zu Hause können Sie dann mit Ihrem Kind diese Bilderbücher anschauen und in Ihrer Sprache mit dem Kind über die Bilder sprechen – und vielleicht können Sie zusammen mit dem Kind zu den Bildern eine Geschichte erfinden. Oder Ihr Kind bringt auch mal ein Bilderbuch vom Kindergarten mit und erzählt Ihnen auf Deutsch etwas zu den Bildern und zu der Geschichte. Inzwischen gibt es in Büchereien auch viele zweisprachige Kinderbücher. Wenn Sie gut Deutsch sprechen, können Sie auch abwechseln: mal auf deutsch vorlesen, mal in der Familiensprache. Kinder haben manchmal ein Lieblingsbilderbuch, das wollen sie immer wieder hören und anschauen. Auch das ist gut, dann bekommen sie ein Gefühl für die Sprache.

Geschichten erzählen

Kinder lieben Geschichten. Wenn Kinder oft eine Geschichte hören, die der Vater, oder die Mutter, vielleicht der Onkel oder der Opa erzählen oder vorlesen, dann entwickelt sich dabei die Sprache. Sie lernen Geschichten verstehen und selbst zu erzählen, das ist später für die Schule sehr wichtig. Es können Geschichten aus dem Alltag sein, Märchen, Geschichten aus Ihrer Kindheit – alles was Ihnen und Ihrem Kind gefällt. Wie wäre es mit einer täglichen Gute-Nacht-Geschichte?

Auch Lieder, Fingerspiele und Reime sind für die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten sehr wichtig – und sie machen vielen Kinder Spaß. Kennen Sie noch Gedichte oder Auszählreime aus Ihrer Kindheit?

Fernsehen reicht nicht aus

Beim Fernsehen konzentrieren sich Kinder vor allem auf die Bilder, und nicht auf das, was gesagt wird. Und meistens schauen sie still zu. Das Fernsehen ist daher für die Sprache nicht besonders förderlich. Kinder lernen mehr, wenn sie z.B. eine Tonkassette mit einem Märchen hören, oder eine Gute-Nacht-Geschichte von den Eltern. Wenn Ihr Kind fernsieht, dann ist es wichtig, dass Sie sich mit dem Kind über die Sendung unterhalten.

 

 

Text (gekürzt): Dr. Michaela Ulich, Staatsinstitut für Frühpädagogik – IFP München http://www.ifp.bayern.de/materialien/elternbriefe.html

 

Wie lernt mein Kind Deutsch?

Vielleicht fragen Sie sich manchmal: „Wie lernt mein Kind Deutsch?“ oder „Kann mein Kind von klein auf zwei Sprachen lernen?“ oder auch „Wird mein Kind sich später gut ausdrücken können – z.B. in der Schule?“

Mit diesen Fragen haben sich auch schon viele Pädagogen und Wissenschaftler beschäftigt. Wir möchten Ihnen ein paar Informationen und Tipps dazu geben.

Was brauchen Kinder, damit sie sich sprachlich gut entwickeln?

• Kinder können gut verschiedene Sprachen lernen

Wenn Ihr Kind mit zwei verschiedenen Sprachen aufwächst, z.B. zu Hause die eine Sprache und im Kindergarten Deutsch, dann ist das eine große Chance für die Zukunft Ihres Kindes. Untersuchungen zeigen: Kinder können von klein auf gut zwei (oder sogar drei) Sprachen lernen, wenn sie in diesen Sprachen gefördert werden. Wenn Vater und Mutter verschiedene Sprachen sprechen, dann kann jeder seine Sprache mit dem Kind sprechen, auch das schaffen Kinder. Wichtig sind dann aber, vor allem für junge Kinder, klare „Sprach-Regeln“ in der Familie, so dass das Kind eine bestimmte Sprache mit einer bestimmten Person in Verbindung bringen kann. Es weiß dann „die Mama spricht so, der Papa so, beim Essen sprechen wir so...“.

• Der Kindergarten ist eine Chance für Ihr Kind

Im Kindergarten lernt Ihr Kind Deutsch und viele andere Dinge, die für die Entwicklung der Sprache – und später für die Schule – wichtig sind. Daher ist der Kindergarten eine Chance und es ist gut, wenn Ihr Kind ab drei Jahren regelmäßig einen Kindergarten besucht. So hat es bis zum Schuleintritt genügend Zeit, um in die deutsche Sprache hineinzuwachsen. Die Erzieherinnen fördern die deutsche Sprache gezielt mit Spielen, mit Gesprächen, mit Liedern und Versen, mit Bilderbüchern und Geschichten.

• Welche Sprache sprechen Sie mit Ihrem Kind?

Eltern bekommen manchmal den Rat: „Sprechen Sie mit Ihrem Kind Deutsch, dann hat es das Kind später in der Schule leichter“. Dieser Rat ist falsch. Sprechen Sie in der Sprache, in der Sie ganz spontan und natürlich sprechen und die Sie am besten können – meistens ist das die Muttersprache. In dieser Sprache kennen Sie auch die meisten Wörter und Sie wissen, wie die Sätze „gebaut“ sind. So bekommt Ihr Kind eine gute Grundlage, das hilft ihm dann auch bei den anderen Sprachen, z.B. beim Deutsch lernen.

 

Vgl.: http://www.ifp.bayern.de/materialien/elternbriefe.html

(Hier können Sie auch Elternbriefe in Ihrer Muttersprache herunterladen)